Ökumenische Notfallseelsorge Oberberg im Einsatz in Erftstadt

Seit einigen Tagen ist die Notfallseelsorge Oberberg im Rahmen von Unterstützung in Erftstadt im Einsatz. Acht der meist ehrenamtlichen Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger fuhren mit PKW oder dem Einsatz-Bus in das Gebiet um die Kiesgrube im Ortsteil Blessem.

 

Seit Montag, 19. Juli 2021 ist die ökumenische Notfallseelsorge Oberberg nach Erftstadt in den Einsatz gerufen worden. Mehrere ehrenamtlich Notfallseelsorgende waren dort und wurden an unterschiedlichen Orten um den schwer betroffenen Stadtteil Blessem eingesetzt. Die Erft hat eine Kiesgrube am Ortsrand so in Mitleidenschaft gezogen, dass die Bodenstabilität bis in die Umgebung beeinträchtigt ist – Geologen sind immer noch dabei, die Folgen abzuschätzen.

Unterschiedliche Einsatzorte

Am Mittwoch waren nur wenige Kräfte angefordert worden. Eine Notfallseelsorgerin war an der Barrikade vor dem Sperrgebiet in Blessem, wo Menschen davon abgehalten werden, den noch gefährdeten Ortsteil zu betreten. Sie hatte praktisch ununterbrochen Gespräche mit Einwohnern und Betroffenen und wurde auch von anderen Einsatzkräften angesprochen, denen die Situation zusetzte. Einige Feuerwehrleute zeigten ihr, wo deren Haus auf der anderen Seite der Brücke stand, sie wären so gerne dorthin gegangen.

Der 25 Jahre alle Bulli der Notfallseelsorge. Foto: Horst Rau.

Der Leiter des ehrenamtlichen Fahrdienstes der Notfallseelsorge Oberberg brachte einen Notfallseelsorger zum Ville Gymnasium Erftstadt. Dieses dient als Notunterkunft für 40 Personen und besonders zu den Essenszeiten kamen viele Betroffene dorthin zur Ausgabe, die hervorragend organisiert ist. Überhaupt sind gespendete Lebensmittel, Decken, Ersatzkleidung und vieles mehr im Überfluss vorhanden. Geldspenden für diejenigen, die alles verloren haben und nicht versichert sind (eine Versicherung ist in potentiellen Überflutungsgebieten kaum zu bezahlen!) sind sinnvoll.

Die Ungewissheit zehrt

Am späten Nachmittag sollte dort eine Infoveranstaltung zu Donnerstag stattfinden, an dem Anwohner straßenweise kurz in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Ein Pressesprecher bemühte sich, die vielen Fragen zu beantworten.

Die allgemeine Emotion der Betroffenen ist Verärgerung über die Informationspolitik. Aufgrund der noch unklaren Lage in Blessem ist viel Geduld notwendig. Die Menschen leiden unter der Ungewissheit und wollen einfach wissen, wann sie endlich in ihre Wohnung können oder ob dies gar nicht geht. Ein Mann brachte es auf den Punkt: »Wir müssen wissen: Gehen wir das letzte Mal da rein oder gar nicht?«

Enormer Zusammenhalt vor Ort

Der Zusammenhalt und die wechselseitige Unterstützung der Menschen ist beeindruckend. Dies betrifft nicht nur die enorme Spenden- und Hilfsbereitschaft von außen, sondern besonders die Betroffenen. Sie haben in Sozialen Netzwerken Gruppen gebildet und helfen und unterstützen einander. Begegnung verlaufen herzlich, selbst von Menschen, die einander erst vor wenigen Tagen kennengelernt haben. Es ist ein enormes Gemeinschaftsgefühl, dass dort zum Ausdruck kommt!

Das Spannende ist die Diskrepanz zwischen »Hier ist es noch in Ordnung – dahinten ist alles kaputt« und die Ungewissheit der Menschen. Sie wollen wissen, wann sie in die Häuser zurückkönnen. Viele berichten davon, schlecht zu schlafen, weil die Gedanken kreisen, man nicht abschalten kann. Auch für Kinder ist die Situation belastend, sie spüren die Unruhe der Erwachsenen.

 

In den nächsten Tagen werden weitere ehrenamtlich Notfallseelsorgende in Erftstadt zu unterstützen versuchen.


Notfallseelsorge in Zeiten von Corona

Auch die Notfallseelsorge im Oberbergischen Kreis ist weiter aktiv und im Dienst. Dies setzt für uns jedoch die absolute Freiwilligkeit voraus. Dazu wurden alle Mitarbeitenden befragt. Die Anzahl der ehren- und hauptamtlichen NFSler lässt es zu, den Dienst weiterhin aufrecht zu erhalten. Die Alarmierung erfolgt ausschließlich über die Leitstelle (112) des Oberbergischen Kreises.

 

Die Tätigkeiten in der Seelsorge umfassen grundsätzlich keine pflegerischen Handlungen, sodass es im Allgemeinen nicht zu einem ausreichend engen körperlichen Kontakt kommt, der zu einer Infektion führen könnte.

 

 

Bitte vor jedem und nach jedem Einsatz sind alle NFSler angehalten gründlich die Hände zu waschen. Ausreichend Abstand und keine Berührungen im Gesicht sind ebenfalls unabdingbar. In jedem Fall gilt, dass alle NFSler auf sich und auf die Kranken und Geschwächten achten sollen und sich bei eigenen Anzeichen von Erkrankung zurückziehen.



 

Andreas Groß und Horst Rau wurden im Gottesdienst am Buß- und Bettag nach vielen Jahren als Notfallseelsorger mit Dank und voller Respekt für ihren geleisteten Dienst verabschiedet. Sie waren in vorderster Front in der Seelsorge bei Notfällen und in der psychischen Betreuung der Einsatzkräfte nach belastenden Ereignissen aktiv und haben sich am Aufbau der ökumenischen Notfallseelsorge Oberberg engagiert. Bevor sie selber krank werden durch die anstrengenden Einsätze haben sie einen Schlussstrich für sich gezogen.

 

Neben der Verabschiedung wurden auch 10 neue ehrenamtliche Notfallseelsorger*innen in ihr Amt eingeführt. Sie stehen mit großem Respekt vor ihren Aufgaben, Menschen in schwierigen Situationen beizustehen und für sie da zu sein, in welcher Form auch immer. Auf die unterschiedlichen Situationen, die auf die neuen Notfall-Seelsorgenden zukommen, kann man sich durch entsprechende Kurse und Fortbildungen vorbereiten – und doch ist jeder Einsatz anders und herausfordernd. Im Vertrauen auf Gottes Mitgehen in die Einsätze gewinnen die Notfall-seelsorger*innen die Kraft, die es braucht, um den Menschen nahe zu sein und das Richtige zu tun.

 

"Nahe sein in schweren Zeiten"

 

Unter diesem Thema stand der ökumenische Gottesdienst am 18. November 2020 zu dem die Notfallseelsorge die Einsatzkräfte aus Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Hilfsorganisationen eingeladen hatte. In der Evangelischen Kirche eröffnete Pfarrer Markus Aust den Gottesdienst, der von Koordinator Gisbert von Spankeren und Kreisdechant Christoph Bersch durchgeführt wurde.

 

Den Menschen nahe sein, wenn sie durch einen Unfall, durch Gewalt, Katastrophen und Bränden, durch Suizid, durch den Tod eines Angehörigen den Boden unter den Füßen verlieren und in den Abgrund der Verzweiflung stürzen oder wenn die Einsatzkräfte ihre Erlebnisse nicht mehr verkraften können – dafür ist die Notfallseelsorge da. Einfühlsam stehen die Seelsorgenden den Betroffenen bei und sind in der existentiell bedrohlichen Situation ihnen nahe.

Tag und Nacht, 24 Stunden am Tag lassen sich die 45 haupt- und ehrenamtlichen Notfallseelsorger*innen von der Leitstelle zu den Einsätzen rufen, wo sie gebraucht werden. Das geschieht etwa 100-mal im Jahr im oberbergischen Kreis.



 

Aus dem Ehrenamts-Adventskalender des OBK: 10.Dezember 2020

 

„Keine klugen Ratschläge“

 

Plötzliche Todesfälle sind schwer zu begreifen. Oft stehen Angehörige unter Schock, wollen und sollten besser nicht alleine sein. In solchen Fällen können Ärzte und Rettungskräfte Notfallseelsorger hinzuziehen. Menschen wie Ralf Pütz.

 

Meist ist es am Abend oder in den frühen Morgen-stunden, wenn während seiner Bereitschaftszeiten das Handy klingelt. Dann setzt Ralf Pütz sich ins Auto und wappnet sich für das, was ihn erwartet. Ein Unfall, ein Suizid, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auf den Fahrten betet der gläubige Christ: „Auf dem Hinweg bitte ich um Schutz und Hilfe, auf der Rückfahrt danke ich.“ Wenn Angehörige das wünschen, betet er auch mit ihnen – unabhängig davon, welcher Religion sie angehören. Aber nur, wenn sie es wünschen.
Erstmal kommt er an, kondoliert, stellt sich vor. Redet und hört zu. „Am wichtigsten finde ich es, keine klugen Ratschläge zu geben“, betont er. „Das kann in so einem Moment niemand gebrauchen.“ Besser, gemeinsam auszuhalten, wenn Worte fehlen. Mit den Angehörigen zusammen Lichtblicke zu finden, die nächsten Schritte klar zu bekommen. Und so lange zu bleiben, wie er gebraucht wird. Ein weiteres Mal kommt Ralf Pütz nicht. Bei Bedarf verweist er an Einrichtungen und Ansprechpartner.

 

Ein herausforderndes Engagement zwischen Mitfühlen und Selbstschutz. Damit das gelingt, hat Ralf Pütz eine mehrwöchige Ausbildung absolviert. Hierbei hat ihm einer der Referent ein griffiges Bild mitgegeben: „Ich lege mir selber einen imaginären Hula-Hoop-Reifen an, um den nötigen Abstand zu halten“, sagt der 57-Jährige, der sich außerdem in der Trauer- und Sterbebegleitung engagiert. „Ich fühle mit, aber ich leide nicht mit.“ Eine Haltung, mit der sich schwierige Momente gut meistern lassen. Was außerdem unterstützt: Austausch mit anderen Notfallseelsorgern, regelmäßige Supervision und

 

 

Rückhalt von engagierten und kompetenten Hauptamtlichen seines Trägers: der katholischen und evangelischen Kirche in Oberberg.

 

Und in Zeiten der Pandemie? Hat sich natürlich auch dieses Ehrenamt verändert. Vom Oberbergischen Kreis gab es eine Verordnung für hygienegemäßes Verhalten sowie Schutzkleidung. „Außerdem hat man sich erkundigt, ob wir trotz Corona weitermachen“, erinnert sich Ralf Pütz. Eine Frage, die sich für ihn nicht gestellt hat.

 

Auch, wenn er natürlich vorsichtiger ist im direkten körperlichen Kontakt – sowohl bei seinen Einsätzen als auch in anderen Lebensbereichen. „Solange es aber irgendwie vertretbar ist, gehe ich mit den Menschen in ihre Wohnungen“, betont er. Weil es in einer solchen Situation den Rückzug in die eigenen vier Wände braucht. Das Vertraute, den Schutz. Und am besten jemanden, der die Hand hält oder auch mal in den Arm nimmt.

 

Letzte Änderung: 9. Dezember 2020

 

aus: https://www.obk.de/cms200/ehr_int/ehr/gut/av/
hier: Oberbergischer Kreis: Ehrenamts-Adventskalender: 10.Dezember 2020 (obk.de)

 



 

Die Erzquell-Brauerei in Bielstein verzichtete auf die üblichen Weihnachtsgeschenke und stellte den Betrag für Einrichtungen in der Region zur Verfügung. Dr. Axel Haas erklärte, dass der regionalen Familienbrauerei die Menschen in der Heimat besonders am Herzen liegen. Die Schecks in Höhe von jeweils 5.000 Euro gingen an den Förderverein Notfallseelsorge Oberberg,  die Hospizarbeit in Wiehl und die Tafel Oberberg Süd. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Empfänger nur per Telefon benachrichtigt, statt einer persönlichen Übernahme der Spende. Die Freude war nicht deshalb geringer.

 



Herzlichen Dank für die finanzielle Unterstützung unserer Notfallseelsorge


Das Einsatzgebiet der Notfallseelsorge

 Im Oberbergischen Kreis, in 11 kreisangehörigen Städten und Gemeinden, sind unsere Notfallseelsorger Tag für Tag, Nacht für Nacht, an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr für Sie kostenlos einsatzbereit.

Der Förderverein Notfallseelsorge Oberberg e.V. unterstützt die von der katholischen und evangelischen Kirche getragene Notfallseelsorge im Oberbergischen Kreis. Dies geschieht durch finanzielle Hilfe und Unterstützung in Öffentlichkeitsarbeit, Beschaffung von Material usw..

Die Notfallseelsorge ist für alle Menschen unabhängig von jeglicher Zugehörigkeit und kostenfrei.